Blau PASSIV – Blau PASSIV

Endlich ist es soweit und ich darf euch meinen 2. Sportler im Portrait präsentieren! Viel Spaß beim Lesen!

Das Ringen gehört zu einem der ältesten sportlichen Wettbewerben der Menschheit und ist bereits seit 1896 olympisch.

Heute in der Rubrik Sportler im Portrait freue ich mich euch Felix Wissel vorstellen zu dürfen. Bis zum Antritt seines Bürgermeister-Amtes in 2008 war Felix im Kader der RWG Mömbris-Königshofen als Freistil-Ringer sehr erfolgreich aktiv.
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Felix – vielen Dank, das du dich für das Interview zur Verfügung stellst! Ich brauche gar nicht nachrechnen – wir haben uns vor ziemlich genau 10 Jahren kennengelernt; da kam ich gerade ganz frisch mit meinem heutigen Mann Jürgen zusammen, der mich zu einem deiner Kämpfe der RWG mitnahm und mich dir vorstellte. Bis dahin hatte ich nur mal als kleines Mädchen einen Kampf der Goldbacher Ringer gesehen, aber was da in Mömbris in der Turnhalle abging war der absolute Wahnsinn! Du und deine Mannschaftskollegen wurden allesamt von der Halle so abgefeiert, dass auch ich als Laie jedes Mal eine Gänsehaut von der Haarwurzel bis zum kleinen Fußzeh bekam. Seitdem waren auch ich öfter bei den Heimkämpfen der RWG und habe mit der Mannschaft mitgefiebert.

Bekommt man als Sportler während des Kampfes diese Stimmung eigentlich mit?
Felix: Während eines Kampfes ist man so auf das eigentliche Ringen konzentriert, dass man die Stimmung nicht mitbekommt. Vor- und nach dem Kampf ist das natürlich anders. Eine große Anzahl an Zuschauern, tolle Stimmung – das hat mich unheimlich motiviert.

Aber jetzt erst einmal zurück zu deinen Anfängen: Wie alt warst du denn als du das erste Mal auf der Matte gestanden hast?
Felix: Ich habe recht spät mit 13 Jahren angefangen. Dies war direkt am Dienstag nachdem die RWG am Wochenende zuvor das erste Mal in einem Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft stand.

Hattest du in dem Kader ein Vorbild dem du nacheifern wolltest oder haben dich der Sport und die Stimmung während des Kampfes so begeistert, das du die Schiene auch einschlagen wolltest?
Felix: Einen speziellen Lieblingsringer hatte ich nicht. Es war eher der spannende Sport allgemein und natürlich die überwältigende Stimmung.

Wusstest du gleich, dass das Ringen nicht nur (d)ein Hobby bleiben sollte und hast bereits in jungen Jahren auf eine leistungssport-orientierte Karriere hingearbeitet?
Felix: Mein Ziel war es recht schnell, einmal Deutscher Meister zu werden und den Sprung in die Bundesligamannschaft zu schaffen. Dafür war ich auch bereit auf Vieles zu verzichten. Glücklicher Weise hatte die RWG Jugend damals sehr viel Zulauf und wir waren insgesamt eine sehr gut motivierte Truppe. Die einzelnen Ringer haben sich gegenseitig angetrieben und der Verein uns mit sehr guten Jugendtrainern ausgebildet.

Man unterscheidet beim Ringen zwischen den Stilen Griechisch-Römisch und Freistil. Kannst du in ein paar kurzen Sätzen die Unterschiede erklären und warum für dich die Wahl auf den Freistil gefallen ist?
Felix: Beim Griechisch-Römisch sind nur Griffe ab der Hüfte aufwärts erlaubt und im Freistil darf man auch Beinangriffe starten. Das ist eigentlich schon der große Unterschied.
Zu Beginn hatte ich mein Glück im Griechisch-Römisch versucht, aber dann recht schnell gemerkt, dass mein Talent eher in Richtung Freistil deutet.

Deine Stärke war immer deine Ausdauer – es ist nicht selten vorgekommen, dass du in der ersten Runde zurückgelegen hast, aber den Kampf letztendlich gedreht und durch deine Ausdauer deinen ausgepowerten Gegner in den letzten Runden in die Knie gezwungen hast. Wie bereitet man sich auf solche Kämpfe vor?
Felix: Ganz wichtig ist bereits vor einer Saison den Grundstein zu legen. Viel Ausdauertraining, viele Einheiten und ein zielgerichtetes Arbeiten. Wenn die Grundlage zu Saisonbeginn stimmt, dann kann man sich Woche für Woche auf den jeweiligen Gegner einstellen, per Video seine Stärken und Schwächen analysieren und dann gemeinsam mit dem Trainer die richtige Taktik abstimmen. Gerade wenn sich angedeutet hat, dass der Gegner konditionell Defizite hatte, war die Marschroute oft, von Anfang an hohes Tempo zu gehen.

Bei den Wettkämpfen geht es ja wie oben geschrieben heiß her. Der Fanclub unterstützt mit Trommeln, die Zuschauer johlen gefolgt von den Rufen: Blau Passiv, Blau Passiv!! Die Heimmannschaft trägt immer Rot, der Gegner Blau, soweit habe ich das verstanden – aber woher kommt das, das man mit den Rufen quasi versucht, den Schiedsrichter zu beeinflussen?
Felix: Die Zuschauer wollen natürlich mithelfen, dass die Mannschaft gewinnt. Oft sind Kämpfe ganz eng und Kleinigkeiten entscheiden über Sieg und Niederlage. Wenn zwei Kämpfer gleichwertig sind, dann entscheidet man als Neutraler sicher leichter für den Heimringer wenn eine prall gefüllte Halle diese Entscheidung lautstark einfordert.

2001 bist du Deutscher Meister im Freistil geworden! Zu dieser Zeit hast du vermutlich im Fitness-Studio gewohnt? 😉
Felix: Zu dieser Zeit habe ich in Hof studiert. Für Ringer ein guter Standort. In Hof gibt es einen guten Ringerverein und der damalige Bundesligaverein Markneukirchen mit mehreren Weltklasse Trainingspartnern war nur etwa 30 KM weg. Zudem fand die Deutsche Meisterschaft in Hof statt und ich hatte quasi Heimkampf! Aber einige Studienkollegen haben sich schon gewundert, wenn ich jeden Abend zum Training gefahren bin.

Seit 2008 bist du jetzt schon als Bürgermeister in Mömbris tätig und hast kurz vor deinem Amtsantritt deinen Rücktritt als Ringer angekündigt. Das ist mittlerweile 8 Jahre her in der du inzwischen auch Papa geworden bist. Wie bist du anfangs ohne den Trainingsalltag klargekommen? Ich kann mir vorstellen, dass es erst einmal sehr ungewohnt war?
Felix: Schlimm war es, als unsere Mannschaft das erste Mal ohne mich eingelaufen ist. Da ist mir endgültig bewusst geworden, dass das Kapitel beendet ist.

Aber insgesamt ist mir der Umstieg nicht allzu schwer gefallen. Im Ringertraining war ich fortan nur noch selten, aber dafür habe ich noch ein paar Jahre Fußball gespielt, gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und seit ca. 3 Jahren gehe ich auch sehr gerne laufen. Sport als Ausgleich zum Beruf finde ich wichtig.

Leider hat es bei der RWG trotz vieler spannender Kämpfe in den letzten Jahren „nur“, dafür mehrfach bis zur Vize-Meisterschaft gereicht. Nun wurde der Rückzug aus der Bundesliga beschlossen und es beginnen die Arbeiten mit einem jungen neuen Kader in der Oberliga Hessen. Gibt es einen Ratschlag den du (diesen) jungen Ringern mitgeben würdest?
Felix: Immer weiter kämpfen, nicht aufgeben. Auch ich habe als ganz junger Ringer in der Oberliga viele Niederlagen einstecken müssen. Wichtig ist, aus Niederlagen zu lernen, die Fehler abzustellen und dann ist die Zeit immer der Freund von jungen ehrgeizigen Athleten.

Felix, ich danke dir für deine Zeit und die Schnappschüsse aus deiner aktiven Zeit die du mir zur Verfügung gestellt hast!

Weitere Infos zu Felix´ damaligen Verein der RWG findet ihr unter:
www.kahlgrund-ringer.com


Wie immer noch zum Schluss etwas zum Klugscheißen:
Wusstet ihr, dass die Athleten in der frühen Antike NACKT zum Ringkampf angetreten sind? 🙂 Sie wurden auch nicht wie heute in Gewichtsklassen aufgeteilt und wer seinen Gegner 3 Mal zu Boden warf, hatte gewonnen.

 

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